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Unterkonstruktion für Photovoltaikanlagen auf Flachdächern


Heutzutage müssen viele Unternehmen aktuelle CO₂‑Reduktionsziele erfüllen: eine PV-Anlage auf eigenen Hallendächern verbessert direkt die CO₂‑Bilanz und unterstützt Nachhaltigkeitsberichte.
 
Photovoltaikanlagen auf Flachdächern haben sich daher in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Säulen der dezentralen Stromerzeugung entwickelt.
Große, unverschattete Dachflächen ermöglichen hohe installierte Leistungen bei gleichzeitig guter Wartungszugänglichkeit.
 
Während meist Module und Wechselrichter im Fokus stehen, entscheidet ein Bauteil maßgeblich über Sicherheit, Lebensdauer und Ertrag der Anlage: die Unterkonstruktion.
Sie ist das tragende Bindeglied zwischen Gebäude und PV‑Modulen und muss eine Vielzahl technischer, statischer und bauphysikalischer Anforderungen erfüllen.
 
Dieser Artikel betrachtet die technischen Grundlagen von Unterkonstruktionen für Flachdach‑PV‑Anlagen ≤5°, mit Fokus auf Statik, Aerodynamik, Dachschutz und normgerechte Planung.
 
 

Funktion der Unterkonstruktion 

Die Unterkonstruktion bildet die tragende Schnittstelle zwischen Dach und PV‑Modulen.

Sie übernimmt gleichzeitig mehrere Aufgaben:
 
  • Ableitung von Eigen-, Wind- und Schneelasten
  • Schutz der Dachabdichtung vor mechanischer Beschädigung, ohne Beeinträchtigung der Dachentwässerung
  • Festlegung von Neigung (z.B. 10°), Ausrichtung und Modulabstand
  • Normgerechte Klemmung der PV- Module
  • Aufnahme von Bewegungen durch Temperaturänderungen
  • Teil bzw. Einbindung in das LPS (Blitzschutzsystem) 




Fazit:
Die Unterkonstruktion ist kein Zubehör, sondern ein sicherheitsrelevantes Tragwerk.

 
 

Systemtypen für Flachdächer

Unterkonstruktionen für Flachdächer lassen sich in drei Systemtypen einteilen:
  • ballastiert
  • mechanisch befestigt
  • hybride Systeme 

 

Ballastierte Unterkonstruktionen (Standardlösung)

Ballastierte Unterkonstruktionen kommen heute am häufigsten zum Einsatz. Sie werden ohne Dachdurchdringung auf der Dachfläche aufgestellt und ausschließlich durch ihr Eigengewicht und zusätzliche Ballastierung gegen Windlasten gesichert.
 
Der große Vorteil liegt im Schutz der Dachabdichtung. Da keine Verschraubung mit dem Dach erfolgt, bleibt die Abdichtung unversehrt. Voraussetzung ist jedoch eine ausreichende Tragfähigkeit des Daches, da zusätzliches Gewicht eingebracht wird.
  
Typische Merkmale:
  • Aluminium‑ oder Stahltragstrukturen, Zink Magnesium
  • Betonplatten oder integrierbare Gewichte
  • Schutz‑ und Trennlagen zwischen Dachhaut und Unterkonstruktion, Gummimatten als Trennlage 

Vorteile:  
Moderne Systeme arbeiten zunehmend mit aerodynamischen Konzepten, die den Ballastbedarf deutlich reduzieren. Strömungsoptimierte Geometrien verringern Windsogkräfte und erlauben eine leichtere Auslegung bei gleichzeitig hoher Sicherheit.

Auch für die Positionierung des Wechselrichters, gibt es Möglichkeiten diesen ballastiert bzw. durchdringungsfrei auf das Dach einzubinden.




Mechanisch befestigte Systeme

Hier wird die Unterkonstruktion direkt, mittels Konsolen mit der tragenden Dachkonstruktion verbunden.
 
geeignet für:
  • Dächer mit geringer Tragreserve
  • sehr hohe Gebäude / exponierte Lagen
  • Hohe Windlastzonen 

ACHTUNG: Jede Dachdurchdringung erfordert ein abgestimmtes Abdichtungsdetail!
 


 
Hybridsysteme

Kombination aus Ballastierung und punktueller Befestigung, z. B. verstärkt in Rand‑ und Eck Zonen.
 
 

Modulaufständerung – Neigungswinkel und Ausrichtung

Typischer Neigungswinkel auf Flachdächern

Auf Flachdächern werden sehr häufig Neigungswinkel mit 10° realisiert. Diese bieten einen guten Kompromiss aus Ertrag, Windstabilität und geringem Ballastbedarf.

Steilere Winkel erhöhen zwar den spezifischen Ertrag, erfordern jedoch größere Reihenabstände und höhere Gewichte.
 
Ausrichtung der PV-Anlage
 
Südaufständerung
Diese erzielt zwar den höchsten Jahresertrag pro Modul, benötigt jedoch größere Reihenabstände und höhere Ballastierung.
 
Ost‑West‑Systeme
Diese ermöglichen eine besonders hohe Flächenausnutzung, geringere Bauhöhen und eine gleichmäßigere Stromproduktion über den Tagesverlauf. Diese Variante hat sich insbesondere auf Industrieflachdächern etabliert.
 
Landscape- (Querformat) oder Portraitausrichtung (Hochformat)
Die Ausrichtung hängt von der Dachform ab bzw. ändert sich der Winkel.

Fazit: Die Unterkonstruktion bestimmt, welche Aufstellvariante möglich ist.
 

Wind‑ und Schneelasten als zentrale Planungsgröße

Flachdächer gelten aerodynamisch als besonders kritisch. Rand‑ und Eckbereiche unterliegen deutlich höheren Windsogkräften als Dachmitten.

Eine fachgerecht geplante bzw. installierte Unterkonstruktion berücksichtigt daher unterschiedliche Lastzonen und passt die Ballastierung entsprechend an.

Auch Schneelasten spielen eine wichtige Rolle, insbesondere in alpinen Regionen.
Die Konstruktion muss Schneelasten aufnehmen, ohne unzulässige Punktlasten auf die Dachhaut zu übertragen und ohne die Entwässerung zu behindern.
 
Ein objektbezogener statischer Nachweis unter Einbeziehung von Wind-, Schnee-, und Eigenlasten ist daher unverzichtbar und Grundlage jeder seriösen Planung (ValkPVplannerPro).
 
 

Dachschutz und Lastverteilung

Ein zentrales Qualitätsmerkmal moderner Unterkonstruktionen ist die Art der Lastverteilung. Punktuelle Belastungen können langfristig zu Schäden an der Dachabdichtung führen.
 
Hochwertige Systeme arbeiten daher mit: 
  • lastverteilenden Bauteilen
  • elastischen Trenn‑ und Schutzlagen
  • rutschhemmenden Materialien
  • materialverträgliche Teile (PVC, FPO, TPO, Bitumen, Gründächern*) 


* Gründächer stellen spezielle Anforderungen dar:
Sie verfügen über höhere Eigenlasten, bieten aber gleichzeitig oft eine bessere Windstabilität. Unterkonstruktionen für Gründächer müssen ausreichend Bauhöhe besitzen, um Verschattung der Vegetation zu vermeiden und dürfen den Wasserhaushalt des Daches nicht beeinträchtigen.

 
 

Fazit: Die Unterkonstruktion als Schlüsselkomponente

Die Unterkonstruktion ist weit mehr als ein Montagegestell. Sie ist das tragende System, das die Schnittstelle zwischen Gebäude, Umwelt und Photovoltaik bildet.
 
Dabei sind Qualität und Ausführung entscheidend und gewährleisten:
  • die statische Sicherheit der Anlage
  • den langfristigen Schutz des Daches
  • den energetischen Ertrag
  • die Wirtschaftlichkeit des Projekts
  • Einhaltung von Mindestabständen bei Brandwänden
  • Freihalten von Wartungs‑ und Fluchtwegen
  • Sauberes Kabelmanagement (keine stehenden Wasserbereiche)
  • Integration in Blitz‑ und Überspannungsschutzkonzept 


In einer Zeit steigender Anforderungen an Nachhaltigkeit, Sicherheit und Effizienz kommt der fachgerechten Auswahl und Planung der Unterkonstruktion eine zentrale Rolle zu. Professionelle Flachdach‑PV‑Anlagen Planungen beginnen daher nicht beim Modul, sondern bei einem durchdachten Tragekonzept.
 
In Summe gibt es ein enormes PV‑Potenzial bei Gewerbe- und Industrieflächen – rund 80 % der Dächer sind noch ungenutzt. Wirtschaftlich spricht heute fast alles für PV-Anlagen, die größten Blockaden sind technische Hürden, Projektkomplexität und Netzkapazitäten.
News
Autor: Philipp Rett
Artikel angelegt: 04.03.2026
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Südausrichtung
Flachdach-PV-Anlage in Südausrichtung mit geneigten Modulreihen und ballastierter Aufständerung.
Ost-West-Ausrichtung
Flachdach-PV-Anlage in Ost-West-Ausrichtung mit flach aufgeständerten, gegeneinander geneigten Modulreihen für hohe Flächenausnutzung.